08/01/2026 0 Kommentare
Wort zur Jahreslosung von Landesbischof Tobias Bilz
Wort zur Jahreslosung von Landesbischof Tobias Bilz
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Wort zur Jahreslosung von Landesbischof Tobias Bilz
Und der auf dem Thron saß sprach: Siehe, ich mache alles neu! (Offb 21,5)
Alles wird gut! Ich höre diesen Satz gesprochen von einer Ärztin bei der ersten Visite nach der Operation. Oder von einem Betreuer, der einen Geflüchteten zum Flugzeug bringt, das ihn aus Deutschland abschiebt. Es könnte auch der Satz eines Volkswirts sein, der weiß, dass nach einer Phase der Rezession erfahrungsgemäß ein Aufschwung folgt. Alles wird gut! Ich höre diesen Satz aus dem Mund einer Mutter, nachdem der Sohn die Prüfung vergeigt hat.
Alles wird gut! Das ist eine Behauptung, die praktisch immer den Mund zu voll nimmt. Denn wer will schon wissen, ob wirklich alles gut wird? Im Moment sieht es eher so aus, als würde alles schlechter: Kriege werden vom Zaun gebrochen. Weltweite Vereinbarungen werden aufgekündigt. Neuer Antisemitismus. Europa wird in der Neuverteilung von Macht und Wohlstand abgehängt. Klimaziele werden relativiert. Die Mitgliederzahlen der Kirchen schrumpfen. Glaube verdunstet.
Alles wird gut? Das biblische Wort für das Jahr 2026 behauptet, dass alles neu wird. Siehe, ich mache alles neu, spricht Gott. Ob es gut wird, wenn alles neu wird? Alle Verkündigung Jesu spricht von einer Dynamik hin zum Guten. Das kommende Reich Gottes ist ein Reich der Heilung und des umfassenden Friedens, in dem nicht nur der Mensch, sondern auch die Schöpfung aufatmen kann. Durch Jesu Auferstehung ist es geschehen. Die Frage ist nur, ob wir uns in die Dynamik dieser Erneuerung hineinstellen, oder die Hände in den Schoß legen; ob wir uns inspirieren lassen von diesem neuen Geist oder den schlechten Nachrichten Macht über uns geben.
Drei Dinge sind mir für unsere Zeit zur Orientierung wichtig:
1. Die Notwendigkeit ständiger Erneuerung erkennen
Es gibt keinen Stillstand im Guten. Wir müssen ein Ja dazu finden, dass wir einen wesentlichen Teil unserer Kräfte und Ressourcen in die Erneuerung des Lebens überhaupt stecken müssen. Das gilt für das Schienennetz ebenso wie für unser persönliches Leben und unsere Kirche. Wenn alles so weiterläuft, wird sich auch der Glaube verschleißen. Es gehört zu meinem täglichen Gebet, dass Gott uns in und außerhalb der Kirche eine Erneuerung im Glauben schenken möge. Ich füge immer hinzu, dass ich selbst dafür offen bin.
2. Sich selbst in Frage stellen können
Sind wir bereit für die Einsicht, dass der Blick Gottes auf unsere Wirklichkeit anders sein könnte, als wir uns das wünschen? Symptome für Irrwege sind, dass unsere Deutungen lauter sind als unsere Wahrnehmungen, und unsere Sicherheiten wichtiger als unser Vertrauen.
3. In Kooperationsgemeinschaft mit Gott handeln
Die Erneuerung kommt von Gott. Es geht um die Orientierung auf das Reich Gottes, wie es Jesus verkündigt hat. Wenn wir das klar haben, können wir unsere Begabungen zur Geltung bringen, die Gott jeweils in uns lebendig macht, und worum wir konkret gebeten werden.
Wenn wir Gottes Tun erbitten und Gott unser Tun inspiriert, werden wir gesegnet sein. Alles wird gut, und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende. Von wem immer dieses Zitat stammt, es ist aus meiner Sicht gedeckt durch das biblische Zeugnis. Wir sollten es immer für möglich halten, dass sich etwas zum Guten wendet.
Gott schenke uns seinen Segen für das Jahr 2026.
Tobias Bilz, Landesbischof
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